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Einleitung:

Das ist der Ort für unternehmerische Gedanken, widersprüchlich, streitbar und geprägt von den aktuellen Eindrücken unseres Umfeldes. Hier kann jeder, der ein Teil unseres Netzwerkes ist, seinen Gedanken freien Lauf lassen. Anregen statt Aufregen ist unsere Maxime. Ein Unternehmen kann ohne Demokratie existieren, eine Demokratie ohne Unternehmen nicht. Willkommen in unserer Welt und streiten Sie mit uns.

Daniel Heidrich & Martin Lehmann Eigentümer der EBK Krüger GmbH & Co.KG

Vom sinnmaximierenden Unternehmen – Was bleibt wenn wir gute Unternehmer sind!

Das Gute am Kapitalismus ist, dass er sich selbst in eine Krise stürzt. Die aktuelle Krise nähert sich schleichend und doch ist sie unüberhörbar. Es geht uns der Sinn am Konsumieren verloren. Der Einkauf in Großstädten gleicht zurzeit einem Statement. Fair Trade, kein Leder aus Bangladesch, keine Plastiktüten und überhaupt ist weniger gerade mehr. Wenn das Weniger aber das neue „haben wollen“ ist, unsere Produktivität durch Robotik, additiver Fertigung und Vernetzung eine Dezentralisierung geradezu fordert, dann stellt sich die Frage nach der Größe unserer Unternehmen. Welche Funktion führen wir Unternehmer aus, wenn die Menschen nicht mehr arbeiten müssen, weil alles Mühelos und fast ohne Logistik zu uns gelangen kann? Welche Aufgabe haben Unternehmer und Unternehmen in einer Gesellschaft, wenn der Grenznutzen der Effizienz erreicht ist? Ein Unternehmen ohne Wachstumszwang führen. Mit Menschen gemeinsam Aufgaben entwickeln, die in Ihrer Art ästhetisch und durch Sinnhaftigkeit geprägt sind. Experimente ohne Ergebnis wagen, allein um der Neugier willen. Hirngespinste? Wohl eher nicht. Die Anzeichen sind da, die ersten Vorboten bereits angekommen. Zum Beispiel die Verspielung der Arbeitswelt. Jede Unternehmensgründung ist zu Zeit „Story Telling“, die ohne Weltveränderungsanspruch nicht auskommt. Helmut Schmidt sagte einmal: „Wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen“. Doch ohne Vision heute keine Kunden und keine Arbeitnehmer. Es ist sehr Wahrscheinlich, dass unser in der westlichen Welt erzeugter Wohlstand nach einer sinnvollen Verwendung sucht. Die Verknappung der Ressource Umwelt und Zeit, lässt den Kapitalismus mit voller Kraft wirken. Es muss doch nicht sein, dass allein das Kapital die alles entscheidende Ressource unseres Wirtschaftssystems ist. Wenn ein Schuldner nicht mehr verarmt, weil er durch eine fast grenzenlose Produktivität gesellschaftlich abgesichert wird, dann hat der Gläubiger ein Problem und das Zinssystem ein faktisches Ende. Gesetz dem Fall, dass Unternehmen in Zukunft noch eine Rolle spielen, dann könnte unsere Aufgabe die effiziente Schonung der Umweltressourcen und die Sinnstiftung sein. Ein Unternehmen zum Zwecke der Sinnmaximierung. Wir Unternehmer müssen der Gesellschaft einfach nur zuhören, die Anzeichen sind da. Seien es die Proteste gegen TTIP, gegen Lobbyismus, gegen Urheberrechte und geheime Wirtschaftstreffen. Es wird fast überall die Sinnfrage des Wachstums und der Machtverteilung gestellt. Wollen wir überleben, müssen wir Sinn stiften, kollaborieren und dafür sorgen, dass die Kinder unserer Mitarbeiter in einer guten Umwelt mit fairen Bedingungen für alle leben. Wir müssen akzeptieren, dass wir ein Teil der Demokratie sind und nicht deren geistige Elite. Tun wir das nicht, entstehen neue Unternehmen mit der Vision „don‘t be evil“ und fegen uns hinfort.

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Was kommt nach dem Skaleneffekt Teil I.

Machen wir uns nichts vor, die Frage ob wir Effizient oder nur Effektiv waren können wir meistens nicht wirklich beantworten. Nur eins scheint klar, im Wachstum stirbt die Effizienz meistens zuerst und der Fokus liegt auf der Effektivität. Aus der Ökonomie kennen wir zwei große Hebel der Margenverbesserung, den Skaleneffekt und die Lernkurve/Lerneffekt. Der Skaleneffekt verbreitet sich im Wachstum sofort, nahezu anstrengungslos und fast von allein. Das einzige was uns dazu gelingen muss, ist das Wachstum halbwegs zu beherrschen. Die beiden Effekte dürfen aber auf keinen Fall verwechselt werden, auch wenn sie häufig für einen Moment gemeinsam des Weges kommen. Die Lernkurve bringt zudem immer das wichtigste ökonomische Gesetz überhaupt mit, das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es sehr anstrengend wird sich zu verbessern. Auch aus diesem Grund haben wir standardisiert, Komplexität reduziert, Plattformen aufgelegt usw. Und mit jeder Absatzsteigerung stieg die Bürokratie. Zum Schluss war es eine Self Fullfilling Prophecy, dass Varianten Geld kosten. Varianten kosten aber vor allen Dingen, Skaleneffekte. Das geht solange gut, wie der Kunde bereit ist das gleiche Produkt zu kaufen, dass alle anderen auch haben. Aber was ist, wenn das nicht mehr geht? Wenn wir die Megatrends der Individualisierung und der Urbanisierung ernst nehmen, dann ist klar, das Ende des dauerhaften Skaleneffektes ist gekommen. Eine der Industrien, die es sehr hart treffen wird, ist die Automobilindustrie. Die genannten Megatrends werden unterschiedliche Mobilitätsformen mit unterschiedlichen Technologien hervorbringen. Das wiederum führt zu hoher Variantenvielfalt und Komplexität. Und um dem Argument vorzugreifen, es existieren heute schon unzählige Varianten eines Pkw's. Das sind meiner Meinung nach keine Varianten, das sind unterschiedliche Konfigurationen. Ein erheblicher Unterschied im Handling der Prozesse. Erst wenn ich mehrere unterschiedliche Produktionslinien für das E-Mobil, den Wasserstoffantrieb, den herkömmlichen Verbrenner und den Gasantrieb habe, dann können wir wirklich von Varianten sprechen. Um das wirklich zu beherrschen, brauchen wir kleinere Unternehmen. Im Buch „The Innovators Dilemma“ ist das hervorragend mit Abwärtsmigration beschrieben. Für eine gute Lernkurve, um den rückgängigen Skaleneffekt aufzufangen, sind die Firmen der Automobilindustrie schlichtweg zu groß, zu langsam zu behäbig und zu bürokratisch. Das aktuelle Management beherrscht die Skale. Wir brauchen aber Führungskräfte um Organisationen zum Lernen zu bringen. Komplexität ist nicht länger unser Feind. Es ist zurzeit ein Wettbewerbsvorteil, wenn man sie beherrscht und es wird über kurz oder lang eine Standardanforderung. Die sich selbst organisierende Organisation, die Komplexität liebt und fördert, muss jeden Tag lernen. Jeden Tag! Denn nur die Lernkurve beinhaltet die Chance auf gute Gewinne, wenn der Skaleneffekt mehr oder weniger von dannen zieht. Hier hilft nur absolute Transparenz, Demokratisierung des Wissens und verteilte Autokratie für schnelle Entscheidungen. Wir werden es jetzt mal versuchen.

Alles weitere Teil II….

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Digitalisierung und Bullshit – eine hervorragende Kombination.

Der Beamer surrt und der Vortrag über die Digitalisierung ist im vollen Gange. Es kommt unweigerlich der Punkt, an dem Geschichten über die digitale Technologie präsentiert werden, um uns in Staunen zu versetzen. Erzählt von Beratern, Managern und Führungskräften großer Konzerne, die fast noch nie in ihrem Leben irgendetwas programmiert haben. Eine Behauptung meinerseits, die sich nur darauf stützt, dass die Geschichten über die Technologie kaum hinterfragt werden. Sie werden fast mythisch vorgetragen und der Zuhörer muss nur noch aufgeklärt werden, dass die Welt längst eine Andere ist. Hört man den Mathematikern und den Programmierern jedoch richtig zu, reduziert sich die „künstliche Intelligenz“ oder „machine learning“ auf ein komplexes und kniffliges Optimierungsproblem, aber weit davon entfernt wirklich intelligent zu agieren. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber die sehr beeindruckenden Ergebnisse von Alphago sind das Ergebnis zweier neuronaler Netzwerke. Eine erprobte Technologie in Kombination mit extremer Rechenleistung.

„It´s no magic, it´s just crunching numbers“!

Dann kommt der zweite Punkt im Vortrag. Der Vergleich von digitalen Geschäftsmodellen mit der alten Welt. Beeindruckend müssen Sie sein. Mein Lieblingsbeispiel von letzter Woche. Der Wettlauf um die 1 Mrd. Benutzer. Hört, hört, Google und Facebook hatten schneller 1 Mrd. Benutzer als die Automobilindustrie. Die Automobilindustrie kann einpacken, sie hat die Zeit verschlafen. Es ist ein Armutszeugnis für die Industrie, dass man 1 Mrd. Benutzerprofile bei facebook schneller anlegen kann, als man Autos produziert. Da muss doch etwas in der Fehlerkultur nicht stimmen, ansonsten ist dieser Zustand unerklärlich. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Das unglaubliche an Google und Facebook ist, dass Sie Ihr Geld mit Werbung verdienen, dass die Automobilkonzerne ihnen geben. Das Geld aus dem Geschäft, was gerade zum Aussterben freigegeben wurde. Das Schöne an dem Format der großen Vorträge ist, der Vortrag bleibt meist unwidersprochen. Derselbe Vortrag, zweites Beispiel. WeChat hatte an einem Tag, Chinese new year, mehr Geldtransaktionen als Paypal in einem Jahr. Implizite Schlussfolgerung, Paypal stirbt, WeChat wird der Sieger. Es kann sein, aber das hat nichts mit diesem Vergleich zu tun. Die Nummer eins im Geldtransfer auf der Welt ist Western Union. Paypal wird hauptsächlich benutzt, um eine Kreditkartenfunktion zu ersetzen. Es geht zumeist um echte Produkte und Konsum. Bei WeChat ging es um Überweisungen an die Familie. Ein völlig anderer Markt, andere Versicherungsbedingungen, andere Marktteilnehmer. Einfach nicht zu vergleichen. Es blieb unwidersprochen, da man auf den Trichter erst kommt, wenn der Vortrag vorbei ist. Das Ergebnis ist aber sehr ernst. Die Mystifizierung von Industrie 4.0 und Digitalisierung lässt die Eintrittsbarrieren so hoch erscheinen, dass man nicht losläuft, sondern verharrt. Digitalisierung ist beeindruckend, lebensverändernd, aber nicht magisch, so wie Sascha Lobo feststellte. Ich werde das Gefühl nicht los, die Berater und Manager der Großkonzerne sind viel zu spät losgelaufen und brauchen nun etwas Religiöses, um wieder zu leuchten.

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Was kommt nach dem Skaleneffekt Teil II oder das Ende der Arbeit!

Das Ende der Arbeit wie wir sie kennen ist gekommen. Es beginnt im Büro und wird sich in den nächsten Jahren über alle Arbeitsbereiche ausbreiten. Selbstbestimmung und Freiwilligkeit halten Einzug in unsere Unternehmung. Ich meine nicht Mitbestimmung über eine hierarchisch organisierte Struktur, ich meine echte Selbstbestimmung. Wenn die Gesellschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen muss, weil Tausende Verwaltungsangestellte aufgrund der Automatisierung des Büros ihren Job verlieren, stellt sich die Frage ob ich Lust auf meine Tätigkeit habe jeden Morgen neu. Unsere Unternehmen konkurrieren dann mit all den Dingen die Freude bereiten und wo es kein Geld für gibt. Die Rückkehr des Tagelohns oder besser gesagt des Tagezusatzlohns wäre ein wahrscheinliches Szenario, und zwar weil die Mitarbeiter es so wollen. Wir als produzierendes Unternehmen sind darauf nicht vorbereitet. Der Skaleneffekt fordert von uns klar geregelte Arbeitszeiten, optimierte Prozessschnittstellen und abgegrenzte Verantwortlichkeiten. Eine der Hauptargumente in einem Unternehmen ist immer: „Einer muss doch dafür verantwortlich sein.“ Die Betonung liegt hier auf Einer. Und nun werden wir uns nicht mehr auf den Einen verlassen können, da nicht klar ist ob dieser in drei Monaten noch Lust auf seine Tätigkeit hat. Der Preis einer Dienstleistung wird zweitrangig, entscheidend ist ob man es organisiert bekommt sie auszuführen. Glauben Sie nicht!? Dann versuchen Sie einmal in Berlin einen Handwerker für ein größeres Projekt zu gewinnen. Antwort: „Ich würde wirklich gern, aber ich bekomme das nicht organisiert. Mir fehlen die Leute.“ Wir werden nicht alles automatisieren können. Vor allem die derzeit weniger bezahlten Arbeiten nicht. Ein Roboter scheitert heute am präzisen Handling einer Pappschachtel. Eine individuelle Frisur, vom Roboter derzeit undenkbar. Feinmotorische Einzelanfertigungen, kaum automatisierbar. Was aber in Zukunft nicht mehr nötig sein wird, sind Tätigkeiten in der Verwaltung und Organisation. Beschaffung, Logistik, Arbeitsplanung, Qualitätssicherung, Buchhaltung, Personalwesen, Controlling nichts davon wird so bleiben, wie es ist. Nur noch wenige Mitarbeiter werden all die Fälle bearbeiten, die eben komplex sind und nicht kompliziert. Ist das eine Utopie oder eine Dystopie? Es ist für uns jedenfalls eine schöne Vorstellung, dass wir nur noch Mitarbeiter beschäftigen, die mit uns und nicht für uns arbeiten wollen. Es ist also unsere Aufgabe als Unternehmer das zu organisieren. Wir haben begonnen demokratische Ansätze einzuführen. Fachausschüsse, die gemeinschaftlich das Unternehmen lenken und leiten. Die mittlere Führungsebene, die nur organisiert, wurde mehr oder weniger abgeschafft. Alle Informationen über das Unternehmen stehen jedem Mitarbeiter zur Verfügung. Die Teilung des Herrschaftswissens hat in unserem Unternehmen ein Ende. Die Reaktionen sind vielfältig. Von Begeisterung und Missmut ist alles dabei. Der fast schon monokausale Blick auf die Flexibilität verändert gerade alles und führt zu einem Unwohlsein aufseiten der Unternehmer und der Mitarbeiter. Die Gefahr den Profit und damit die Existenzgrundlage unseres Unternehmens aus den Augen zu verlieren ist groß. Noch müssen wir Geld verdienen, was in Zukunft sein wird können wir nur erahnen.